Mit sozialer Vernetzung Zukunft sichern: OstseeSparkasse goes Community – und das macht sie super!

Freitagnachmittag kurz vor 14 Uhr in Rostock. Seit 13 Uhr ist die Filiale der OstseeSparkasse geschlossen und viele Kollegen haben sich bereits ins Wochenende verabschiedet. Wir betreten den imposanten Bau durch den Hintereingang und sind überrascht: Unerwartet viele Kollegen finden sich zu diesem ungewöhnlichen Zeitpunkt zum geplanten Workshop ein. Eingeladen haben die Umsetzer seitens IT und Communications von „OSPA-Connect“, die Kollegen, die hinter dem sozialen Netzwerk der OstseeSparkasse stehen.

Es wird heute um Community Management und „Working Out Loud“ bei der OstseeSparkasse gehen. Aber eigentlich geht es um mehr. Um viel mehr. Nämlich um die Zukunftsfähigkeit einer klassischen Filialbank in Zeiten der Digitalisierung.

 

 

Die Bankenbranche ist von den Effekten der Digitalisierung bekanntermaßen besonders früh und besonders stark betroffen. Fast zerdrückt zwischen Niedrigzinsphase, die den Ertrag schmälert, Regulatorik, die die Kosten hoch treibt, und dem politischem Willen, der Präsenz in der Fläche fordert, sind gerade die Sparkassen nicht zu beneiden. Banken, die die digitalen Chancen für sich ausblenden, riskieren zudem schlicht die Zukunft ihrer Unternehmen. Gleichzeitig steht im kleinteiligen Filialgeschäft einer traditionellen Bank das Thema soziale/digitale Vernetzung auch aufgrund eines deutlich heterogenen digitalen Reifegrades von Mitarbeitern und Filialen vor ganz besondere Herausforderungen.

Ein Glücksfall, wenn die Entscheidungsträger das Gebot der Stunde erkennen

Im Idealfall haben einzelne visionäre Vordenker in Banken längst erkannt, dass Vernetzung ein wesentlicher Hebel ist, um das Unternehmen in die Zukunft zu führen. Und dass eine erfolgreiche soziale Vernetzung stark nach innen und nach außen wirken und viel Energie in der Organisation freisetzen kann. Diese Visionäre – Unternehmenslenker in der Finanzbranche, die ein klares Bild von der Zukunft haben und dieses Bild ebenso klar auf ihre Unternehmen übertragen können – gibt es nicht nur in den coolen Fintech-Lofts in Berlin, sondern auch abseits der Pfade: Zum Beispiel bei der OstseeSparkasse mit Hauptsitz in Rostock.

Ein erster kluger Schachzug: Die frühzeitige Etablierung eines Enterprise Social Networks, um überhaupt erst die Grundlage für interne Vernetzung und bereichs- und hierarchieübergreifende Zusammenarbeit zu schaffen. Die technische Implementierung des Netzwerkes, genannt OSPA-Connect, wurde praktisch von Beginn an von einem Team freiwilliger Multiplikatoren, den „Connectoren“ begleitet, die neben ihren eigentlichen Aufgaben vielfältig in ihrem jeweiligen Umfeld unterstützen, Themen sukzessive ins Netzwerk zu verlagern.

Nur geteiltes Wissen ist Macht 

Im Abstand von zwei Monaten trifft sich der Kreis, um, ja auch das – gemeinsam Erfolge zu feiern, nämlich die wachsende Zahl von Usern und Postings – aber eben auch um im Gespräch zu verstehen, wo es noch hakt in der Nutzung und wie man noch besser unterstützen könnte.

Heiß diskutierte Dauerbrenner sind die Fälle, wo noch weniger netzwerk-affine Kollegen den gewohnten „sternförmigen“ Emailverkehr strapazieren, gerne mit zahlreichen Anhängen und großen Verteilern versehen: Genau die Fälle, für die das interne soziale Netzwerk wie geschaffen erscheint. Wie gehen wir damit um, wie holen wir die Kollegen ab, damit auch sie den persönlichen Nutzen des Netzwerks erkennen?

Will ich Community Manager sein? Oder bin ich nicht eh schon einer? 

In der nächsten Runde sprechen wir über die Rolle des Community Managers und ich bin zunächst geneigt zu fragen, wer eigentlich unter den Anwesenden – über die Connectoren-Rolle hinaus – bereit wäre, in der OSPA auch als Community Manager zu wirken. Im gemeinsamen Gespräch verstehe ich, dass praktisch jeder der Connectoren im Raum Communities betreut. Damit erübrigt sich die Frage und es geht nun um die richtigen Rezepte, um das Menü für die betreute Community so attraktiv zu gestalten, dass es Anklang findet – und zu Aktivität bei den Teilnehmern führt.

 

Teilen, liken, posten: Aller Anfang ist schwer

Und es tröstet offenbar, als ich meine eigene Erfahrung teile, nämlich dass die Dinge Zeit und Geduld erfordern; dass bereits liken und empfehlen für einige Kollegen große Hürden darstellen, weil im Regelfall das Bewusstsein für diese wertschätzende Form der Rückmeldung zumindest in unserem Kulturkreis noch nicht verbreitet ist. Und, dass „Working Out Loud“ helfen könnte, diese Hürden zu überwinden.

Working Out Loud: Erst lernen die Multiplikatoren, dann die ganze Organisation

Die Idee ist schnell erzählt: Im Laufe von zwölf Treffen (über etwa zwölf Wochen, je nach Verfügbarkeit) setzen sich bis zu fünf Kollegen zum regelmäßigen Austausch zusammen, und lernen – anhand individueller Ziele, aber gemeinsam – Schritt für Schritt, sich sattelfest im sozialen Netzwerk zu bewegen. Die Nachhaltigkeit des Ansatzes ist erwiesen und 1000 Mal erprobt. Es handelt sich praktisch um ein Changeprogramm, welches jeder einzelne Mitarbeiter für sich selbst initiiert und steuert, und zwar eng geführt durch anschauliche „Circle Guides“, die den Ablauf der Treffen genau beschreiben in Bezug auf Input, Reflexion, Diskussion und Aufgaben. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Ja, die gemeinsame Arbeit und Entwicklung in einem „WOL Circle“ ändert das gesamte Beziehungsverhalten – eben nicht nur Online, sondern auch Offline. Praktisch ein Achtsamkeitsprogramm für sozialen Beziehungen, und gleichzeitig ein neues persönliches Verständnis von Austausch und „Wissen teilen“. Weitere erfreuliche Nebeneffekte von Working Out Loud (WOL) für Unternehmen auf dem Weg in die Agilität:

·     Training von Selbstorganisation durch die regelmäßigen, selbst gesteuerten Treffen im Circle

·     Mehr Verbundenheit mit der eigenen Organisation durch die sehr enge und offene Zusammenarbeit unter Kollegen im Circle

Wie verdaut man einen Elefanten?

„Start where you are, take little steps, practice over time“, so fasst der Autor des Buches „Working Out Loud“ den methodischen Ansatz zusammen, der sich einiger sehr schöne Reflexionsübungen aus dem systemischen Coaching bedient und damit auf ganz einfache Weise sukzessive und nachhaltig zu einer echte Verhaltensänderung bei den Mitstreitern anregt.

Über die Notwendigkeit der kleinen Schritte haben wir in unserem Connectoren-Workshop schließlich auch gesprochen: Zum Abschluss sollte jeder Connector aka Community Manager in spe die erste Scheibe seines „persönlichen Elefanten“ notieren, und dies mit den Kollegen teilen.

„Wenn Du also am Montag wieder an Deinem Schreibtisch sitzt – was machst Du dann anders?“ Beeindruckend, wie an diesem Freitagnachmittag (!) mit bemerkenswertem Einfallsreichtum und großer Energie, die kreativen Ideen zusammengetragen und ausgetauscht wurden. Jetzt wird es spannend werden, die Kollegen auf dem Weg zu ihrem Selbstverständis als Community Manager, aber eben auch als Rolemodels zu begleiten und zu beobachten, wie sie gemeinsam die nächste Hürde nehmen, um mit Geduld und Phantasie Kommunikation und Collaboration ihrer Communities im Netzwerk zu fördern. Schließlich gilt, was schon OSPA-Vorstand Frank Berg als Initiator des digitalen Wandels im Interview sagte: „Nur geteiltes Wissen ist Macht“.

Und: Mit Working Out Loud kann sich die Macht eines sozialen Netzwerks in der Organisation nun noch mehr entfalten. Es braucht viel Mut, auch in einem mittelständischen Unternehmen diesen Schritt zu fördern. Und ich bleibe neugierig, wann die kleinen Pflanzen in Form der ersten #WOL Circles Früchte tragen werden.

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